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Gastvortrag: "Durch Opazität denken. Dekoloniale Strategien in kybernetischen Gesellschaften"

Gastvortrag von Nelly Yaa Pinkrah im Rahmen des Seminars Sichtbarkeit/Opazität von Rena Onat

Kategorien
Medienwissenschaften, Hochschule

Veranstaltungsart
Vorträge

Ort der Veranstaltung
01/312

Datum
10.01.2018

Uhrzeit
15:00 - 16:30

Am 10.01.2018 um 15:00 Uhr findet im Rahmen des Seminars "Sichtbarkeit/Opazität" von Rena Onat ein Gastvortrag von Nelly Yaa Pinkrah statt:


Ein Nachdenken über Opazität, die ich zunächst im Denken und Schreiben des Martinischen Philosophen, Dichters und Kulturkritikers Édouard Glissant verfolge, lässt erkennen, dass die Geschichten und Epistemologien davon wie wir Medien- (und) Technologie verstehen, wie wir Sinn aus ihnen gewinnen, eng mit den Geschichten und Epistemologien davon verbunden sind – und um es in Glissants Worten auszudrücken – wie wir miteinander (und uns selbst) in Beziehung (Relation or how we relate to) treten. Beziehungsformen und das sich zueinander verhalten, also in einem Verhältnis zu stehen, zu thematisieren, legen die Aushandlung von Identitäten nahe. In diesem Sinn betrifft die Verhandlung von Opazität also bspw. solche Konstruktionen wie race und Differenz, die in der Linie von Kolonialismus und imperialer Herrschaft strukturgebende und wissensgenerierende Kategorien geworden sind.
Die Figur der Opazität taucht bei Glissant nicht nur als theoretisches Konzept, sondern auch als Praxis auf. Beides richtet sich auch gegen eine Art von gleichmachender und durchdringender Transparenz. Die Gewalt und die Kontrolle des Blicks (the gaze), das Sichtbar-Machen, -Erzwingen und Sichtbar-Lassen von allem und alenn sind unzählige Male theoretisiert worden, von antikolonialen Denkern und vielen anderen. Diese Transparenz, ihre epistemologischen Implikationen dafür, wie Subjekt und Objekt am besten zu verstehen, wahrzunehmen und zu konstituieren sind, hat eine vielschichtige semantische Struktur, die zeigt, wie sich metaphorische Ebenen und Beziehungen von Licht und Schatten, dem Dunklen und Monströsen, von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, überschneiden in Ideen, in der Wissensproduktion und der Konstruktion von Welt. Das Verständnis von oder der Umgang mit einer Unmöglichkeit von Verstehen ist demnach ebenso stark von den genannten Vermächtnissen beeinflusst – sowie unsere kulturellen Welten. »[T]ransparency involves a view of things that understands them as potentially transparent and (…) the light that pervades them is subsequently the light of mind«[1], it is the rational light of Enlightenment.
Eine Thematisierung und Bestimmung von Opazität durch Glissant und über sein Werk hinaus, in der Form der kybernetischen Black Box und innerhalb medientheoretischer Zugänge, die sich mit dem Phänomen der Opazität beschäftigen, erlaubt eine Annäherung an die Zusammenhänge von poetischem Wissen, Medien(-technologie), race und/oder blackness und an Fragen nach kontemporären politischen Positionen und Strategien vor dem Hintergrund medien- und soziotechnischer Bedingungen der Gegenwart.

[1] Brouwer, Joke/Spuybroek, Lars/Van Tuinen, Sjoerd (ed.) (2016): »introduction. in the thick of things«, in: (ibid.): the war of appearances. transparency, opacity, radiance. Rotterdam: V2_Publishing, p. 6-11


Nelly Y. Pinkrah (M.A. in »Culture, Arts, and Media«, Kulturwissenschaften, B.A. in Ethnologie, Afrikastudien und Soziologie) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin/Doktorandin am Institut für Philosophie und Kunstgeschichte und assoziiert am Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien der Leuphana Universität in Lüneburg. 2013 koorganisierte sie die Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft an der Leuphana und seit November 2013 arbeitet sie am Center for Digital Cultures (CDC). Sie ist aktiv in verschiedenen politischen Projekten und Organisationen und Humanity in Action Senior Fellow.
Hauptforschungsinteressen: Digitale Medien, Technologie, politisches Denken und Handeln, Schwarze feministische Theorie, postkoloniale Theorie, Kulturgeschichte.
 

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