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Die 55. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2009

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Auch bei den diesjährigen 55. Kurzfilmtagen präsentierten Regisseure aus aller Welt ihre Werke. Darunter waren sowohl Nachwuchstalente, die ihre Erstfilme – größtenteils Abschlussarbeiten – präsentierten, als auch „alte Bekannte“ vertreten. Das Filmfest in Oberhausen gehört mittlerweile zu den renommiertesten Veranstaltungen der Kurzfilmbranche und heutige Regie- Größen wie Martin Scorsese, George Lucas oder auch Roman Polanski zeigten hier schon in jungen Jahren ihre Erstwerke.
Dabei setzt Oberhausen immer wieder auf ein breites Spektrum an Genres und bedient sich dabei nicht selten neuer Trends, was vor allem jungen Filmemachern eine Plattform gibt um sich und ihre Werke einem großen Publikum zu präsentieren.

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Die Reise begann am Freitag den 1. Mai in Braunschweig. Während sich die eine Hälfte der Exkursionsteilnehmer bei einer gemütlichen 3-stündigen Autofahrt in Ruhe auf die folgenden Tage vorbereiten konnte, kam die andere Hälfte aufgrund diverser Zugverspätungen erst nach 6- stündiger Tortour in Oberhausen an. Als dann auch die letzten eingetroffen waren ging allerdings alles ganz schnell. Kurz die voller Stolz getragenen Akkreditierungen eingesackt, nebenbei ein flottes Foto schießen lassen, und schon waren wir bereit, uns in den Bann des Filmfestes ziehen zu lassen. Vorher stand allerdings noch das Aufsuchen der mit Spannung erwarteten Unterbringung für die nächsten 4 Tage, bzw. Nächte. So ging es mit dem Umweg über zahlreiche Einbahnstraßen also erstmal zu unserer Behausung. Nachdem wir anschließend unsere sieben Sachen in den voll ausgestatteten, altbackenen Apartments, die ihren ganz eigenen Charme hatten, verstaut hatten, machten wir uns direkt auf den Weg ins Kino.

Dank Akkreditierung war es überhaupt kein Problem Karten für jede Veranstaltung zu bekommen. Die Auswahl an Kurzfilm-Programmen, die sich zwischen einer Dauer von ein bis zwei Stunden bewegt haben, war natürlich jedoch viel zu groß, um sich zu entscheiden. Internationaler Wettbewerb, Deutscher Wettbewerb, NRW-Wettbewerb, Musikvideo-Preis, Kurzfilmprofile Regisseuren zu Ehren, Kinder – und Jugendfilmwettbewerb, die „Unreal Asia“ – Reihe und diverse Screenings standen jeden Tag ab 10:30 Uhr zur Auswahl.

Am ersten Tag entschieden wir uns für das erste Programm des Internationalen Wettbewerbs, in dem wir unter anderem 25 Minuten lang einen Mann beobachten durften, der auf eine sehr eigenwillige Art und Weise Cello „gespielt“ hat. Der Sinn dieses Films ist uns bis heute verborgen geblieben, da wir wohl auch aufgrund der Anreisestrapatzen nicht in vollem Besitz der geistigen Aufnahmefähigkeit waren und das ein oder andere Nickerchen dem suspekt anmutenden Programm vorzogen.
Der Musik-Video Preis direkt im Anschluss entschädigte jedoch dafür mit unterhaltsamen und meist auch neuen Videos aus der Musikbranche. Am meisten beeindruckt hat uns dabei das Werk von Jens Pecho, der anti-homosexuelle Aussagen aus Werken diverser Musikrichtungen zu einem Medley zusammengeschnitten hat, um so auf die immer noch bestehenden Vorurteile Homosexuellen gegenüber aufmerksam zu machen.
Das anschließende Programm 2 der „Unreal Asia“-Reihe wusste sowohl mit sozialkritischen Kurzfilmen als auch mit humorvoll-satirischen Beiträgen zu gefallen. Nach einer kurzen Besprechung mit den Dozenten Heike Klippel und Florian Krautkrämer entschieden wir uns völlig geplättet von den vielen Eindrücken dieses ersten Tages zu unserer Unterkunft zurückzukehren, um den Abend dann gemütlich ausklingen zu lassen.

Tag 2 begann mit einem gemütlichen, gemeinschaftlichen Frühstück in einem Kaffee und stand, zumindest für uns, ganz im Zeichen der deutschen Wettbewerbe. Des Weiteren durften wir im Verlaufe des Tages gleich 2 spätere Preisträger bestaunen. „Rebeka“ von Gonzalo H. Rodriguez stach durch seinen autobiografischen Charakter hervor und gewann den 3-Sat-Förderpreis. „n.n.“, an dem Tom Schön, ein Alumni der HBK, mitgewirkt hat, wurde zum besten deutschen Beitrag gewählt. In dieser Animation schwärmen ameisenhafte Wesen durch die Landschaft und bewirken laut Jury eine Mischung aus Belustigung und Beängstigung beim Zuschauer.
Im Anschluss waren wir von dem oftmals belächelten Programm des NRW-Wettbewerbs sehr positiv überrascht. Ob es – ganz banal – um das zerrüttete Verhältnis von Vater und Sohn ging oder der Zuschauer Bilder von einer Draisinen-Fahrt durch Berlin präsentiert bekam. Am erwähnenswertesten finden wir dabei, dass es sich bei dem Großteil der Regisseure um Studenten handelte, die Teilweise ihre Abschlussarbeiten vorgestellt haben.
Nach einer kleinen Kaffeepause setzten wir uns direkt wieder ins Kino, um selbiges nach kurzer Zeit wieder zu verlassen. Der für uns unverständlicher Weise ausgezeichnete Kurzfilm „Murphy“ bestand lediglich aus dem Sound von Actionfilmen und dazu passend zum Rhythmus aufkommenden Stroboskoplichteffekten. Außer Kopfschmerzen konnten wir diesem Beitrag nicht wirklich etwas abgewinnen.

Das Schöne an Oberhausen und seiner familiären Atmosphäre ist dabei jedoch, dass sich die Regisseure nach jedem Programm der Kritik des Publikums stellen und jeder, der Lust hat und sich traut, Lob, Unverständnis oder Fragen aussprechen kann. Und genau das haben wir dann auch gemacht.
Nach der anschließenden Musikvideopreisverleihung machten wir uns gemeinsam auf den Weg zur angesagten Filmfestparty auf der wir die Chance genutzt haben mit dem bereits bei den Preisträgern erwähnten Jung- Regisseur Gonzalo Rodriguez über seinen Film zu diskutieren. Bei dem einen oder anderen Bierchen wurde dabei angeregt über das vermeintlich beabsichtigt verschmutzte Kameraobjektiv und seine Heimat Lima/Peru diskutiert. Dabei konnte der ein oder andere ihn mit seinen Spanischkenntnissen beeindrucken. Im Großen und Ganzen also ein gelungener Abend, der erst in den frühen Morgenstunden sein Ende fand.

Der Sonntag begann mit einer Diskussionsrunde mit einzelnen Mitgliedern aus Auswahl- kommission und Jury. Unter Anleitung des Festivalleiters Dr. Lars Henrik Gass waren Studenten und andere Interessierte dazu aufgerufen, organisatorische und inhaltliche Fragen zu stellen. Angeregt von unserer Dozentin Heike Klippel entstand eine interessante Diskussion über inhaltliche und formale Kriterien, die für die Berücksichtigung eines Films ausschlaggebend sind. Auch eher fadenscheinige Fragen wurden geduldig und ausführlich beantwortet.
Die folgenden Filme des internationalen Wettbewerbs trafen wohl auch aufgrund der langsam eintretenden Nachwirkungen der vorabendlichen Party auf eher wenig Zuspruch. Erst am späten Nachmittag konnte das deutsche Programm mit einer einigen guten Filmen unser Interesse wieder wecken. Darunter besonders hervor zu heben sind unserer Meinung nach der Animationsfilm „Please say something“- eine zugleich anrührende aber auch lustige Liebesgeschichte zwischen einer Katze und einer Maus, und der Film „Radfahrer“ bei dem der Regisseur Marc Thümmler die Fotos von DDR- Fotograf Harald Hauswald mit Textauszügen aus dessen Stasi-Akte zu einem sehr ansprechenden Film kombiniert hat. Mit bestechenden Schwarz- Weiss- Bildern macht Hauswald auf die DDR- Realität aufmerksam und wird durch die Stasi unter dem Decknamen „Radfahrer“ observiert. Die Motive seiner Fotoreihe reichen dabei von der Punkerszene, über Obdachlose und Demonstrationen, bis hin zu ganz alltäglichen Szenarien die überwiegend den Verfall der damaligen DDR widerspiegeln. Im krassen Gegensatz dazu stehen die oftmals durch die spröde Sprache unfreiwillig komisch wirkenden Kommentare der Ermittler aus dem Off. So macht einem der Film abermals die Lächerlichkeit und das Ausmaß der Bespitzelung der Stasi deutlich und bietet dem Zuschauer zeitgleich einen Einblick in die Foto- Kunst- Szene der DDR.
Während einige wenige bereits am Sonntagabend das idyllisch anmutende Oberhausen wieder verlassen mussten, verweilte der harte Kern einen weiteren Tag und nahm abends und auch am Montag so viele Filme und Eindrücke wie möglich mit.
Abschließend kann man sagen, dass wir durchaus ein positives Resümee von unserer – zum Teil ersten – Exkursion zu einem Filmfest ziehen können. Kreative Kurzfilme in allen Variationen ließen keine Langeweile aufkommen und es war für Jeden etwas dabei. Die Qual der Wahl gab einem, wie wohl bei jedem Filmfest, das ständige Gefühl etwas zu verpassen.
Auffällig war dabei, dass Kunst und Film oftmals so sehr ineinander übergegangen sind, was viele Filme schwer zugänglich und eine Beschreibung für Dritte schwierig macht. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und so sind es vielleicht gar nicht allein die Filme, sondern auch das Ereignis des Filmfestes an sich – mit all seinen Eindrücken und Erlebnissen – für die es sich unserer Meinung nach gelohnt hat nach Oberhausen zu fahren.
Wir würden in jedem Fall wieder kommen, weniger wegen der Stadt, aber umso mehr wegen des Filmfests und wer weiß, vielleicht haben wir ja einen der kommenden großen Regisseure von morgen schon hier live und in Farbe bestaunen dürfen.

Jonas Hartwig, Nico Bensch

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