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Kurzfilmtage Oberhausen 2010

Exkursion Oberhausen

 

Von Laura Lörcher

Als erstes haben wir uns den Internationalen Wettbewerb angeschaut. Dabei hat mir der Film „This is Alaska“ von Gunilla Heilborn und Marten Nilsson aus Schweden gut gefallen. Es ging um eine Gruppe von Menschen, die nach Alaska gezogen sind. Die Protagonisten erzählen ihre Geschichte und erklären, dass sie auf der Suche nach einer höheren Ebene von Freiheit sind. Meiner Meinung nach waren die Aufnahmen zum großen Teil sehr ästhetisch. Beispielsweise die schneeweiße Landschaft und im Kontrast dazu die Protagonisten mit ihren bunten Kleidern.Das hat mit gut gefallen. Außerdem hatte der Film etwas humorvolles im Gegensatz zu vielen anderen Filmen des Festivals.
Auch den libanesischen Kurzfilm „Terres de pomme de terre“ von Ziad Antar fand ich sehr ansprechend. Es ging inhaltlich um die Kartoffelernte im Bekaa Tal. Interessant war, dass zwei durch trainierte Männer die Kartoffelernte zu einer Fitnessübung machten, indem sie beispielsweise volle Kisten als Hanteln umfunktionierten.
Des Weiteren hat mir der thailändische Film „Rise“ von Visra Vichit-Vadakan gut gefallen. In dem Film findet ein Gespräch zwischen einem Künstler und seiner Familie statt. Dabei wird eine Performance des Künstlers dargestellt. Er sitzt zunächst auf einem weißen Tuch. Um sich herum liegen verschiedene Farbtuben. Der Künstler beginnt die Farben auf dem Laken zu verteilen um sich anschließend darin einzuwickeln. Dabei wird die Farbe auf dem weißen Tuch verteilt. Abschließend wickelt er sich wieder aus und es sind die Farbflecken auf dem Laken zu sehen.
Als nächstes haben wir uns die Reihe MuVi International angeschaut. Hier haben mir ebenfalls einige Musikvideos gut gefallen. Allerdings ist mir in dieser reihe aufgefallen, dass es häufig um Gewalt, Blut, Sex und Tod ging. Am schockierensten fand ich das Video „Dear God, I Hate Myself“ von Jamie Stewart aus den USA. Dabei ging es um den Kreislauf von essen und erbrechen. Es ist eine Frau zu sehen, die sich drei Minuten lang erbricht und sogar eine Person, die neben ihr sitzt und isst, bekommt von ihrem Erbrochen etwas ab. Für mich war dieses Video so ekelerregend, dass ich meine Augen schließen musste.
Eine weitere Besonderheit des Festivals war für mich die Reihe „From the Deep: The great Experiment 1898 - 1918: Farbe und Schwarzweiß“. Es war sehr interessant Filme aus dem frühen Kino zu sehen. Wann sonst hat man schon einmal die Gelegenheit solche Filme ohne großen Aufwand anzuschauen.
Gut gefallen hat mir außerdem der Kinder- und Jugendfilmwettbewerb ab 16. Die dort gezeigten Kurzfilme habe interessante Geschichten erzählt. Über Liebe, Homosexualität und Familienprobleme. Besonders gut fand ich den Film „Äla kuiskaa ystävän suuhun“ aus Finnland. Der Film besteht aus zwei verschiedenen Zeitebenen. Ein Junge und ein Mädchen befinden sich am gleichen Ort aber in verschiedenen Zeitsträngen. Diesen Film hätte ich gern ein weiteres Mal gesehen, um die Machart genauer betrachten zu können. Es wurde mir nämlich er gegen Ende des Films bewusst, dass die Filmemacherin mit Zeit experimentiert,
Interessant fand ich des Weiteren das Gespräch mit der Auswahlkommision. Auch wenn die Mitglieder für manche Personen im Publikum nicht immer befriedigende Antworten abgeben haben, wie zum Beispiel auf die Frage nach den Auswahlkriterien. Daran wurde allerdings auch deutlich, dass es schwierig ist, bestimmte Kriterien für einen „guten“ Film zu nennen. Häufig steht dabei der subjektive Eindruck im Vordergrund.

Beitrag zu den Kurzfilmtagen in Oberhausen

 

Von Natalie Schmoeckel

Die Kurzfilmtage in Oberhausen bedeuten förmlich ein Marathon an Themen- und Gedankensprüngen. Denn vier Tage lang wechselte durchschnittlich alle fünfzehn Minuten das Thema auf der Kinoleinwand. Vom Internationalen Wettbewerb über Musikvideos bis hin zu dem Highlight des diesjährigen Festivals - das Frühe Kino – für Abwechslung war gesorgt. Das Frühe Kino war Neuland für mich. Bis dato kannte ich keine Aufnahmen aus den Jahren 1898 bis 1918 und war dem Ganzen auch eher skeptisch gegenüber eingestellt. Umso überraschter war ich nach dem ersten Filmblock. Die Thematik der Filme war meist ziemlich banal, die Umsetzung mithilfe vieler Schnitttechniken umso lustiger. Musikalisch untermalt wurden die Kurzfilme des Frühen Kinos live durch einen Pianisten, was zu dem ganzen Erlebnis beigetragen hat. Überrascht war ich allerdings nicht nur vom Frühen Kino. Die Beiträge des Judenfilmwettbewerbs thematisierten einige kritische, aber auch schöne Momente verschiedener Altersgruppen. Den Kinder- und Jugendfilmwettbewerb für Zehnjährige erlebten wir zusammen mit bestimmt 500 Kindern, die nach jedem Film in einen tosenden Applaus ausbrachen. Dabei war es interessant zu beobachten, wie Kinder in demselben Alter, welches auf der Leinwand dargestellt war, auf die Geschichten reagierten. Meiner Meinung nach waren viele dieser Filme für Kinder besser als mancher Kurzfilm des Internationalen Wettbewerbs. Denn sie erzählten Geschichten. Bei den Beiträgen „für Erwachsene“ fragte ich mich des Öfteren, was die Quintessenz des Ganzen sei und mit welcher Begründung der Film nun Teil des Programms wurde. Das Filmfestival in Oberhausen hat also einiges zu bieten, wenn man weiß, was einen erwartet. Aber bekanntlich ist man hinterher immer schlauer als vorher.

Oberhausen 2010

 

von Laura Sophie Culik

Da ich mit Kurzfilmen bisher eher wenig bis nichts zu tun hatte, dachte ich, dass man das eigentlich mal ändern könnte, und meldete mich für die Exkursion nach Oberhausen an.
Zunächst einmal muss man zu dem Festival sagen, das Oberhausen eine wirklich absolut hässliche Stadt ist, auch in schmeichelndem Abendlicht kann man leider keine lobenden Worte finden. Auch die Unterkunft entsprach dem Gesamtbild der Stadt, vor allem der in der Gemeinschaftsküche Kette rauchende Hausmeister.
Das Oberhausener Kino ist dagegen sehr schön; ein richtiges Lichtspielhaus, bei dessen Besuch man sich nostalgisch an die alten Zeiten, die man eigentlich nicht miterlebt hat, zurück erinnert; ganz anders zu den grauenvollen Cinemaxx, Cineplex und wie sie alle heißen, in denen man sich nur über den horrenden Preis ärgert, der einem dort für Hollywoods neuste Remakes abverlangt wird.
Das Programm der Oberhausener Kurzfilmtage ist sehr vielseitig. Dieses Jahr war zudem eine Retrospektive unter dem Titel „From the Deep“ zu sehen, in der die ersten je gedrehten Filme vorgeführt wurden. Da diese stumm sind, wurden sie musikalisch von einem Pianisten untermalt, an dessen Begabung niemand zweifelte, wohl aber häufiger an seinem Geschmack. Am besten hat mir ein Werbefilm für eine Kaffeemarke gefallen, zu dem der Musiker live sang: „When you wake up and you're feeling sudden death would be appealing, have a coffee!“ Generell war das frühe Kino das Highlight des Festivals, mit wunderschönen Schnitttricks, Kostümen und Komik, die den ganzen, meist voll besetzten Saal auflachen ließen.
Das Kinderprogramm hat mir auch sehr gut gefallen, besser als der Internationale oder Deutsche Wettbewerb. Ich habe mir Filme für die Alterskategorie ab 10 Jahre angesehen, die wirklich unglaublich liebevoll und gut gemacht waren, mit sehr unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten von der ersten Liebe über Umzug und Bidhauerei bis hin zum Umgang mit behinderten Menschen. Trotz ihres meist sehr jungen Alters waren die Darsteller sehr überzeugend. Vor allem ein dänischer Film namens „De fantastiske 3“ über einen kleinen Jungen, dessen Vater als Superheld tätig ist, hat mir sehr gefallen.
Die Kurzfilme des Wettbewerbs haben mir generell nicht so gut gefallen, mich hat vor allem der hohe Anteil an Animation gestört. Vieles davon war mir einfach zu abstrakt, sodass ich nicht nachvollziehen konnte, worum es sich in dem Film nun handelt, und viele der Animationen haben mir einfach ästhetisch nicht zugesagt. Trotzdem fand ich das Programm in seiner Gesamtheit sehr interessant und vielseitig und würde wieder hinfahren.

Das »Gespräch« mit der Auswahlkommission: ringen um Objektivität und Glaubwürdigkeit

 

von Corinna Melcher

Beim diesjährigen Kurzfilmfestival in Oberhausen wurde die Möglichkeit geboten mit Mitgliedern der Auswahlkommissionen über ihre Arbeit zu sprechen. Die Frage, die jedem im Raum auf der Zunge lag, und die schließlich auch gestellt wurde, galt den Auswahlkriterien. Wie ist es möglich, dass bei einer solch großen Zahl an eingereichten Filmen, ohne subjektive Vorlieben zu berücksichtigen, genau die wenigen ausgesucht werden, die gut und innovativ sind und im besten Fall den Zeitgeist des internationalen Kurzfilms repräsentieren?
Ich bin selbst Mitglied einer Auswahlkommission für Kurzfilme auf einem Filmfestival und kenne die Problematik der Kriterien recht gut. Ich weiß zum Beispiel, dass man für die Masse an Einreichungen keinerlei Kriterien aufstellen kann, die jedem Film gerecht werden. Als Konsequenz muss man daher entweder auf die Kriterien oder manchen guten Film verzichten, der nicht in das selbst aufgestellte Schema passt.
Im Gespräch mit der Auswahlkommission wurde die Kriterien-Frage dann ziemlich platt im Keim erstickt: Die Frage sei ja banal; jeder wisse doch, was ein guter Film sei.
Dazu ein kleines Gedankenspiel: Mal angenommen, diese Aussage sei wahr, würde es doch im Rückschluss ebenso bedeuten, dass jeder weiß, was ein schlechter Film ist. Und da "jeder" nach dem Induktionsprinzip funktioniert – ich weiß etwas, ich bin jeder, jeder weiß es – schließt mich das genauso ein wie jede andere und ebenfalls die Auswahlkommission. Und da stellt sich mir die Frage: Warum wurden schlechte Filme ins Programm aufgenommen? Ich habe nämlich welche gesehen. Wieder bleiben zwei Möglichkeiten: Es geht nicht um gute Filme, oder es weiß vielleicht doch nicht jeder, was ein guter Film ist.
Und wieder stellt sich mir eine Frage: Da im Gespräch, wenn auch nicht explizit, so doch implizit umso deutlicher, jeder darauf bedacht war, jeglichen Vorwurf der Subjektivität von sich zu weisen, aber auch keine Kriterien genannt wurden, die dem ganzen Auswahlprozess eine Schein-Objektivität verliehen hätten, wie wurden die Filme denn dann ausgewählt?
Da es selbstverständlich um gute Filme geht, aber selbstverständlich nicht jeder weiß, was ein guter Film ist, jedoch ebenso wenig Kriterien für einen gerechten und objektiven Auswahlprozess aufgestellt werden können, bleibt doch schließlich nur eins: die Auswahl funktioniert subjektiv!
Nun ist das Problem, dass Subjektivität stets einen negativen Nachklang hat, ja mehr noch: Subjektivität hat auf den ersten Blick in der gesamten Auswahl schlichtweg nichts zu suchen.
Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man recht schnell, dass es, solange Menschen im Spiel sind, nahezu unmöglich ist, eine objektive Auswahl zu treffen, schließlich bleibt eben eine Auswahl nach selbst aufgestellten Kriterien letztendlich doch auch subjektiv.
Und wenn man weiter denkt, erkennt man vielleicht auch, dass diese gewünschte Objektivität gar nicht von belang ist. Hätte man den Filmen Nummern gegeben und dann blind aus einem großen Topf diejenigen gezogen, die gezeigt werden, so wäre der Vorgang vielleicht gerecht und objektiv, das Ergebnis jedoch wohl kaum von guter Qualität.
Ist es nicht vielmehr so, dass man bei jeglichem Festival auf die Kompetenz der Auswahlkommission vertraut? Die natürlich subjektiv entscheidet, aber eben auf Grund ihrer enormen Seherfahrung erkennen kann, wenn es gute, sensationelle, außergewöhnliche, zeitgemäße oder eben schlechte Filme gibt?
Ich finde es schade, dass die Chance nicht genutzt wurde, diesen Auswahlvorgang, der ja offensichtlich gleichermaßen auf Interesse wie große Skepsis stößt, ein wenig durchschaubarer zu machen.
Denn – und das möchte ich verstanden wissen – ich zweifle weder an der Kompetenz der Kommission noch daran, dass es gute Filme gab. Mir ist es nur unverständlich, weshalb man sich hinter Aus-sagen verschanzt, die nicht richtig oder nichts sagend sind, statt zu erklären wie der Prozess funktioniert. Man hätte darüber reden können, wie es dazu kommt, dass vor so vielen Filmen einleitend und vorstellend gesagt wird: „Begrüßen Sie mit mir XY, einen immer wieder gern gesehenen Gast…“, man hätte sagen können, dass man bemüht ist, möglichst Filme aus vielen verschiedenen Ländern zu zeigen und man hätte erwähnen können, dass Oberhausen sich nach wie vor als Filmmarkt versteht, auf dem auch mal weniger konventionelle Filme gezeigt und erprobt werden.
Niemand sollte sich vor dem Vorwurf der Subjektivität verstecken, sondern ganz im Gegenteil damit aufräumen, dass eine wie auch immer geartete Auswahl objektiv sein kann. Man hätte erklären können, dass es darauf einfach nicht ankommt und ein Programm gerade dann gut wird, wenn ein gut ausgearbeitetes subjektives Konzept dahinter steht.

Bericht zu den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2010

 

Von Ayla Güney

Im Folgenden möchte ich den Film „Lumikko“ (dt. „Kleines Schneetier) vorstellen, den ich in Oberhausen im Internationalen Wettbewerb gesehen habe. Im Anschluss werde ich kurz meine Eindrücke vom Festival beschreiben.

Sie zündet eine Zigarette an und bevor sie diese ausmacht, zieht sie schon an der nächsten. Das Bier lässt sie kaum aus der Hand. Die Wohnung ist auch sonst voll mit Alkoholflaschen. Bei dem 16-jährigen Mädchen handelt es sich nicht um eine Abhängigkeit, ihr Verhalten ist nur Teil eines Verdrängungsprozesses. Wir sehen dieses Mädchen mit den wasserstoffblond gefärbten Haaren isoliert in ihrer Wohnung.
Warum sie so handelt macht uns die 30-jährige, finnische Regisseurin Miia Tervo in ihrem Debütfilm auf eine besondere Art deutlich: Sie vermischt die Darstellungsform des Fiktionalen mit dem Dokumentarischen. Bei letzterem handelt es sich um Passagen aus einer finnischen Radiosendung namens Yölinja, bei der der Psychologe Pekka Sauri, eine anonyme junge Frau berät. Das junge Mädchen erzählt von der Sache, die sie belastet: Sie hatte eine sexuelle Beziehung zu einem Mann, der sich im Nachhinein als der Freund der Mutter eines Schulkameraden entpuppt hat. Wie dieser Vorfall, welcher ihr Leben aus der Bahn geworfen hat, veränderte, erklärt sie dem Radiomoderator: Die Freunde haben den Kontakt zu ihr abgebrochen, haben sie gepiesackt und gemobbt. Die Schule wurde immer seltener und zuletzt gar nicht mehr von ihr aufgesucht. Auch der Gang nach draußen ist nur von kurzer Dauer. Die Flucht vor den Anderen findet für das junge Mädchen nur in den eigenen vier Wänden ein Ende.

Die Passagen, in denen man das Radiogespräch hört, werden mit Animationen auf bildlicher Ebene verknüpft. Dabei werden die Stimmen der beiden Personen auf eine interessante Weise sichtbar gemacht. Dem Radiomoderator, wird ein „wollknäulartiges Gebilde“ zugewiesen, das sich durch laute oder leise Töne in der Größe dynamisch verändert. Dieses Bild stellt für uns eine Person dar, die wir nicht sehen können, aber in ihrer Art dennoch als komplex auffassen. Dieses Bild passt womöglich auch besser zum Moderator, der selbst verwirrt ist und versuchen muss klare Gedanken zu fassen, um dem Mädchen weiterhelfen zu können. Im Gegensatz dazu steht die Stimme des Mädchens. Diese wird als eine unregelmäßige, runde aber dafür glatte Fläche dargestellt. Es scheint als ob wir das Mädchen ‚einfach’ verstehen würden, ohne großes Durcheinander. Als ob sie für uns in ihrem ungewollt falschen Verhalten verständlich erscheint.
Außer diesen Animationen sehen wir das Mädchen, das der alltäglichen Arbeit nachkommt. Einkaufen, kochen, Wäsche waschen, alleine. Ihre Wohnung ist voll mit Blumen, die sie frisch geschnitten, in Bierflaschen steckt. Ein Bild von romantischer Nachlässigkeit, welches sich durch den Film hindurch zieht.

Die Regisseurin, die laut ihrer eigenen Aussage, 300 Stunden mit der Sichtung der Radioshows verbracht hat, fand einen Beitrag, der für sie das Thema „Liebessuche“ auf eine eher beschwerende Weise deutlich macht. Wir suchen nach der Liebe und manchmal scheint sie wirklich da zu sein. Doch dann erkennen wir, dass dies nur ein verschwommenes Spiegelbild von dem ist, was es zu vorgeben scheint. Die Enttäuschung und das Misslingen dieser Liebessuche führt die 16-Jährige raus in das kalte und verschneite Finnland, in einen uns unbekannten Ort, an welchem außer ihr keiner zu sein scheint. Egal, ob sie nun daheim sitzt oder draußen im Schnee liegt, sie ist oder wird isoliert. Nur der Radiomoderator, der sich der Geschichte aus ihrem Blick nähert, leistet ihr Beistand und ermuntert sie, hinter ihrem Fehler zu stehen und nach vorne zu schauen.
Der kleine, formlose Kreis nimmt im Laufe des Films eine hellere, leuchtende Farbe an. Der Psychologe scheint sie innerlich bewegt zu haben.
Insgesamt gab es auf den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen viel Interessantes zu sehen. Darunter waren viele abstrakte Kurzfilme vertreten, die die alltägliche Sehgewohnheit immer wieder auf Probe stellten oder im besten Fall auch schulten. Innerhalb dieser kurzen Zeit, in der man sich auf dem Festival befand, lernte man sehr schnell, wie man „die Welt mit anderen Augen“ sehen kann. Wenn es auch manchmal schwer fiel und die Filme einen herausforderten, war es jedoch immer wert die Herausforderung an zu nehmen. Denn ich persönlich habe erkannt, dass hinter jedem Film, bei weiterer Reflexion, fast immer einen erkenntnisreicher Inhalt steckt.
Neben den Filmen war auch die Atmosphäre sehr beeindruckend. Es lag eine deutlich spürbare „Kreativitätswolke“ über der Festivalstadt. Viele Filmemacher, deren Filme gezeigt wurde, waren zugegen. Aber auch die Presse und viele Filminteressierte zog es zu den Internationalen Kurzfilmtagen. Letztere wahrscheinlich auch wegen den Filmen des frühen Kinos. Hierfür fanden sich allgemein viele Begeisterte, denen eine allzu selten angebotene Ausstrahlung des frühen Kinos präsentiert wurde. Aufgrund dieser Filme, die eine ungeheure Faszination hervorrufen, schien dem Publikum die Fehlorganisation in der Programmzusammensetzung nicht deutlich auf zu fallen.
Jedem Filminteressierten kann ich dieses Festival nur empfehlen, jedoch sollte man nicht vergessen, dass Kurzfilme, anders als Langfilme, anderen Prinzipien folgen, die den Betrachter vor visuelle und inhaltliche Herausforderungen stellen können.

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

 

von Sandy Werner

Freitag morgen der Zug fährt los und die Spannung sowie unsere Erwartungen sind groß. Wie ist Oberhausen? Wie ist die Unterkunft? Gibt es ein gutes Programm? Wo ist das Kino? Wie und von wem werden die Filme ausgesucht? Alles Fragen auf die wir während der Exkursion mehr oder weniger eine Antwort bekommen sollten.
Zunächst in der Stadt Oberhausen angekommen wird schnell klar, dass wir uns in keiner architektonisch beeindruckenden Stadt befinden. Nach kleinen Unklarheiten finden wir das Akkreditierungsbüro, werden freundlich begrüßt, bekommen unsere Akkreditierungsunterlagen und werden für eine Fotowand fotografiert. Gut, diese Hürde wäre genommen und auch das Kino ist direkt gegenüber. Bleibt die Frage nach der Unterkunft. Immer noch mit Koffer machen wir uns auf den Weg. Links
oder rechts? Diese oder nächste Straße? War das Haus im Internet nicht gelb? Ahh da vorn! Ist das der Hausmeister? Der dickliche, etwas ungepflegte, rauchende Mann bittet uns in die Gemeinschaftsküche,
die gleichzeitig als Büro dient. Freundlich pfeift uns ein Gartenzwerg beim Eintritt in den Raum hinterher. Wir nehmen das 3-Bett-Zimmer und bekommen einen Schlüssel. Aber 3-Bett- Zimmer ist hier eigentlich kaum der richtige Begriff, weil sich hinter dem Wort ein 2-Bett-Zimmer mit einem viel zu kurzen zusätzlichen Klappbett verbirgt. Die Bettaufteilung ist trotzdem schnell geregelt, so dass wir uns auf den Weg zum ersten Programm machen können. Der Internationale Wettbewerb 1 steht auf dem Plan und die Vorfreude ist groß. Den Beginn macht ein kanadischer
Film, den ich nur mäßig gut fand. Aber der nächste Film wird sicher toll. Ein Film über eine litauische Künstlerin. Warum trägt sie ein Brautkleid? Wo befindet sie sich? Versteh ich nicht! Ok, was solls kommen ja noch andere tolle Filme. Ein altes Kloster, eine Fliege, ein Kinderlied, noch mehr Fliegen, Film zu Ende und auch nicht verstanden. Langsam macht sich Unbehagen breit. Im nächsten Film über Alaska, finde ich zumindest die Bilder schön, aber worum es wirklich geht versteh ich auch hier wieder nicht. Das Gefühl des Nichtverstehens stellte sich leider nicht nur während diesem Programm ein, sondern begleitete mich durch eine Vielzahl von Programmen der Kurzfilmtage. An diesem Tag war ich mir allerdings noch sicher, die Auswahlkommision könne mir morgen zumindest erklären warum diese Filme ausgesucht und gezeigt wurden. Dies war wohl aber mit Abstand der größte Irrtum. Auf die Fragen, wie die Filme ausgesucht werden und ob es irgendwelche Auswahlkriterien gäbe, wurde leider nur durch Ausflüchte versucht jegliche Subjektivität von sich zu weisen. Auf erneute Nachfrage wurde dann aber doch eine Antwort gegeben, die ich hier nicht verschweigen will: „Es ist ganz einfach, denn jeder weiß doch was ein guter Film ist.“ Diese Antwort beantwortete alle meine diesbezüglichen Fragen und hinterließ nur eine winzige Zusatzfrage: „Wenn jeder weiß was ein guter Film ist, warum machen dann nicht alle gute Filme?“ Neben den Enttäuschungen hatten die Kurzfilmtage aber auch einige Highlights. Das Frühe Kino und die Filme des Kinder- und Jugendfilmwettbewerb ab 16 beispielsweise überraschten mich sehr positiv. Die finnische Regisseurin Hannaleena Hauru zum Beispiel inszeniert im Jugendfilmwettbewerb die Erzählzeiten in ihrem Film so gekonnt, dass ein rückwärts verlaufender und ein vorwärts verlaufender Erzählstrang ein großartiges Ganzes ergeben. Ein Film, wie viele Filme dieser Kategorie, bei dem es sich lohnen würde ihn noch einmal zusehen.

OBERHAUSEN 2010 Kurzfilmfestival

 

von Anna Warchalowska

Als Teilnehmerin des 56. Internationalen Kurzfilmtagefestivals in Oberhausen, das zwischen den 29. April und den 4 Mai stattgefunden hat, muss ich feststellen, dass das Festival keinen großen Eindruck auf mich gemacht hat. Ich habe folgende fünf thematische Programmkategorien gesehen: From the Deep, Internationaler Wettbewerb, Deutscher Wettbewerb, MuWi International und endlich Kinder- und Jugendfilm Wettbewerb. Leider ist für mich unbestritten, dass die Festivalprogramme nicht ordentlich vorbereitet waren.
Normallerweise bin ich ein großer Fan von den internationalen Wettbewerben, weil der Anlaß immer ist viele verschiedene und vielfältige Filme aus mehreren Ländern zu sehen und dabei die Einflüsse von unterschiedlichen Kulturen auf die Filme beobachten zu können. Der Internationale Wettbewerb 2010 in Oberhausen ergab sich jedoch als eine Klappe unter den oben genannten Aspekten. Die Filme waren meistens langweilig und eintönig, zu lang, oder zu kurz um irgendein Verständnis vom Plot zu bekommen. Die Filmselektion wurde auch unklar von der Auswahlkommission erläutert. Es wurden zahlreiche Filme gezeigt, die meiner Meinung nach sehr durchschnittlich und uninteressant waren. Sogar einige der besseren Filme in Oberhausen wären auf einem anderen Festival, wie zum Beispiel in Leipzig oder Duisburg, nur durchschnittlich. Das Niveau war also niedrig.
Ähnliche Einwände habe ich auch zu dem Programm MuWi International und Deutscher Wettbewerb. Inhaltlich war das Programm From the Deep ein bisschen besser, aber meiner Meinung nach, war dieses Programm zu voll, das heißt, dass es zu viele kurze Filme von dem Ende des 19. und der Anfang des 20. Jahrhundert in einem einzelnen Programm gab.
Am besten gefiel mir das Programm des 33. Kinder- und Jugendkinofestivals. Die verschiedenen Programme waren entsprechend für die jeweilige Altersgruppe: ab 3, ab 6, ab 8, ab 10, ab 14 und ab 16 eingeteilt. In allen diesen Kinder- und Jugendprogrammen kann man die Vielfältigkeit der Formen und Verschiedenheit der kulturellen und traditionellen Aspekte beobachten. In der Kinder – und Jugendkinokategorie habe ich das gefunden, was ich vor allem in dem Internationalen Wettbewerb gesucht habe: Vielfältigkeit, Einflüsse von vielen Kulturen und Traditionen aus mehreren Ländern. Darüber hinaus hab ich in diesem Programm das gesehen, was für mich das Wichtigste in einem solchen Filmfestival ist: bei einigen Filmemachern hat es geklappt, eine schöne Geschichte eindeutig oder mindestens klar in wenigen Minuten zu zeigen, sodass das Publikum nicht nur den Plot verstehet, sondern sich auch hingegeben fühlt.
Ich bin der Meinung, dass die besten Filme aus der Kategorie Kinder- und Jugendkino stammen. Den dritten Platz würde ich dem Film Anna Lovenstein (Pauline Bureau, Frankreih 2008, 8:30 Min., Farbe, Spielfilm) verleihen, den zweiten Platz verdient, meiner Meinung nach, der Film The Right Hand (Nitiz Wongthed, Thailand 2009, 7 Min., Farbe, Spielfilm), und der dritte Platz würde ich dem Film Bro ( Chris Dundon, Grossbritannien 2009, 18 min., Farbe, Spielfilm) geben.
Wenn es noch um die organisatorischen Angelegenheiten geht, muss ich feststellen, dass die Konstruktion vom Spielplan zumindest unüberlegt war. Es war sehr unbequem immer über eine Stunde Pause zwischen den Filmblöken zu haben. Außerdem begannen und endeten die Filmblöcke gleichzeitig.

Das Frühe Kino in Oberhausen. Die Programreihe „Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898 – 1918“.

 

von Przemyslaw Suwart

Kurzfilme gab es schon vor mehr als 100 Jahren, nämlich im Frühen Kino. Damals wurde dem Publikum ein bunt gemischtes, abwechslungsreiches Nummernprogramm aus Kurzfilmen der verschiedenen Genres angeboten. Die sehr oft mit Gramophon oder Livemusik begleiteten Kinematographprogramme sorgten für die Vielfalt und Zerstreuung des Publikums, während die Geräuschemacher und Kino-Erklärer oft eine lebhafte Interaktion zwischen Leinwand und Publikum garantierten, die im gegenwärtigen Kino nicht mehr vorkommt (Kessler 1993, S.7). Das Frühe Kino unterscheidet sich aber vom gegenwärtigen Kino insbesondere durch seine Filmlängen, daraus folgt auch durch seinen Programmcharakter (Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 2010, S. 84). Das „moderne“ Kinoprogramm orientiere sich an einem Bühnenkunstwerk (Müller 2005, S.211) im Gegensatz zum Programm des Frühen Kinos, das sein Vorbild im Varieté bzw. Vaudeville des 19. Jahrhunderts hatte (Haller 2010, S.15).
Sein “Anders-Sein” war wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum das Frühe Kino in vielen Filmgeschichten stiefmütterlich behandelt wurde (Kessler 1993, S.7). “Primitive Cinema”, “Flegeljahre” des Kinos, “Vorläufer” , “Wegbereiter” sind nur einige Bezeichnungen diesbezüglich. Und so ist der ganze Reichtum und die Vielfalt dieses Kinos bis Ende der 1980er Jahre gewissermassen verborgen geblieben (Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 2010, S.83). Trotz großer Fortschritte in der Erforschung des frühen Films, ständigen Sicherungen der Archivbestände, sowie zahlreichen Filmrestaurierungen scheint das Frühe Kino heutzutage immer noch dem engen Kreis der Fachleute reserviert zu sein (de Kuyper 2006, S.137ff). Das Frühe Kino wird vor allem im historischen Kontext gezeigt, wie zum Beispiel auf den filmhistorischen Festivals in Pordenone bzw. in Bologna.
Die von Marienne Lewinsky und Eric de Kuyper kuratierte Programmreihe „Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898 – 1918“ für die 56. Kurzfilmtage in Oberhausen umfasste über 100 Filme und machte “die bislang umfangreichste Schau früher Filme in Deutschland“ aus (www.kurzfilmtage.de, Letzter Zugriff am 16.05.2010). Außerdem wurde das Frühe Kino auch zum ersten Mal auf einem prominenten Festival programmiert, das auf die gegenwärtigen Filmproduktionen fokussiert ist.
Während meines Festivalbesuchs habe ich mich entschieden ein kleines Interview mit den beiden Kuratoren durchzuführen. Hiermit möchte ich einen interessanten Ausschnitt davon vorzustellen:

 

PS: Early Cinema has been mostly programmed at film historical festivals, like at “Il Cinema Ritrovato” in Bologna or “Il Cinema del Muto” in Pordenone. Here, in Oberhausen the Early Cinema programs aren’t shown in a historical context, but in context of contemporary short films. What do you expect by contrasting Early Cinema with some digital contemporary productions?
ML: For us it was really something, we have been always thinking about Early Cinema that it is not only a document of film history, but it works very well as a modern form, as a visual event. These films are first of all exciting. There are many contemporary artists that make quite similar films to the Early Cinema without being aware of it. It is not about imitation, but about the convergence. For example, I know Roman Siggner from Switzerland – he makes films with plenty of explosions and waterfalls. There are many convergence between modern artistic productions and these films.
EK: One of the several concepts for Oberhausen was to have the contrast programs - a combination of Early Cinema and games. But we are not the game specialists, so we were looking for someone who can program games, but we didn’t find anyone. But I think, it is something which can also work, like a combination of Early Cinema and video art.
ML: And I think, it is very good to have completely different people seeing the films, because they are very rich in possibilities. You can use them for many purposes – personal, artistic, scientific. I have such a feeling that many people make their first experience with Early Cinema right now and for me this is already the 100% of satisfaction. So if it comes to the terms of importance – of course, I am a missionary and I would like the films have a good life, but maybe not for any price. It is enough for me people can see them.
EK: Of course, it is important also to study them, but for us it is not enough. Most of the historians don’t understand that. For them it is enough that the films are discovered, that it is written about those films, and other people can read about the Early Cinema. But I’m saying NO! We want to show them! I mean, in my opinion, the historical existence of the films is fully complete only when the films find their audience again. Different people can be interested in these films, not only film historians. I would like to give a small example: We met one person this morning, a biologist, he was very interested in the early films about animals and insects, because it was his profession. Suddenly, he discovered in one of our programs interesting films made about it.
ML: I have a friend who always looks at the table-cloths, because she loves the beautiful tables. She asked me once: ‘Is it all right that I look at the table-cloths?’ And I said: ‘Of course it is!’
PS: It is a little bit like with original audience - they used to look at those films with more precision and could recognize more details than the contemporary viewer…
ML: Yes, the early films are richer, because the later films are more focused on showing the face or one emotion. These films are much more generous. For example, in the 1910s they were rich ladies in the South America who ordered the Italian diva films to be informed about the fashion in Europe. Nowadays, if I have to identify films I always put my attention at women’s dresses, because this is what changed from season to season at those days.

PS: The title of your section at the festival suggests that the films can be seen as experimental (in technical way or at plot level). I assume that according to these categories the film selection was made. But how did you decide to put particular films in the particular order into the particular program? What are the basics of programming for you?
EK: The most important topic is the variety. When our colleges are programming at Cinémataque Françoise all Méliès or all Lumière after 10 minutes you have enough of Méliès for the rest of your life. So they are killing the films. If you show one Méliès – you would say `Oh, what a miracle`, but if you have ten Méliès in one program you are dead. Diversity is the most important criteria for me.
ML: It is diversity, but you have to make a decision about semantics and they shouldn’t be academic. In a program, there is a thematic with some subplots. Very often you take care of the subplots; sometimes there are also subplots you do not plan. Suddenly, there is about looks, or hats or gestures. For example, this morning there was a horse dying in the second film, so I had a feeling that I should show afterwards many healthy horses, because you are sad about the dead horse. Sometimes there can be initially one film too much, because first I’m making the program in my head. Afterwards I watch the program and feel that the decision I have made was wrong. One film less is always better.
EK: Also music is a very important topic, of course. I am working now on the double programming of forgotten, never played music pieces and films. So I am doing a selection from the unknown music from those times and I’m trying to find some affinities with the films. It is very difficult, because you have to program on the two levels. If it works for the music, it doesn’t always work for the films, and if it works for the films, it doesn’t mean it will work for the music.
PS: And what about the programming for the audience in Oberhausen? Did you have any special assumptions?
ML: In case of Oberhausen I wanted to be didactic, but in the way which doesn’t appear as a didactic one. Since these people are not experienced, so first I have to teach them the elementary steps, like: what is color, what is movement in the Early Cinema. Many people think that Early Cinema has no movement.
PS: Is there any film you were afraid to show to the audience in Oberhausen that it would shock the audience or wouldn't be understood?
ML: Of course, there is some kind of pre-selection. I excluded more or less the American cinema and focused on the French cinema, because I think, it is much underestimated in the film history. People always think the cinema starts in the America, but it does in France. If you look at the proportions, for example, with the more experienced audience, I would have shown much more of the historical films. There are so many films I cannot show, and I love them, and they deserve to be seen.
EK: But of course you are conscious, when you show the films about black slaves or some hunting films, which are not politically correct or people will have problems with.
ML: I think you have to be honest. Of course you can distort the cinema totally. You can say this is a political cinema. You can say this audience wants to see just anarchy, freedom and art. I don’t do this. I am very honest about what the cinema is. I never pretend that this is art. It is a popular form of industrial production.
PS: Which of the new perspectives for the film as a medium might be gained by the audience by watching these films? What we can learn from Early Cinema?
ML: I think the Early Cinema has a very positive attitude towards the public. This is the cinema which likes its audience. It wants to entertain them, not in the sense of a primitive way, but basically Early Cinema assumes that there is an audience, there is some space for the audience. Modern films are always kind of full of themselves – they want to hog as much space and importance as possible. So they are not modest, but always pretentious. I like the kind of natural elegance and modesty in the early films which are, at the same time, self-confident. Like Eric once said – it is a cinema without any complex. Early films do not exaggerate - it is enough to be a beautiful firewall, it is enough to make a stupid sketch. They don’t want to be everything.
EK: And it is cinema that really believes in images. And that is something that we have lost. We are not confident anymore. We need images more and more. In this sense, it is a very healthy cinema, without any complex.
ML: Furthermore, it is for many different people, it is not calculated for one audience. It is for woman, man, children, teenagers or low class domestic servants. Moreover, it is a cinema which reflects social reality in a very direct way.
PS: Are you going to program the Early Cinema for the Festival next year? Will it be a regular venue?
ML: We feel from the beginning that it is what we want. It is a success. The screenings are full; we get everyday people for our programs. It is what we hoped – we have a new audience here and it is a good audience. This year we show films only from 1905-1910. So next year we could program films from different years.
EK: Yes, it would be nice. There is still a lot of material to be programmed. I would also like to do the experimental presentations here by combining film, text and music.
PS: Thank you very much for the interview. It was a pleasure for me.
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Quellen:
De Kuyper, Eric: Der Stummfilm der ersten Jahrzehnte – Studiengegenstand oder Schauobjekt. In: KINtop
Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films. Bd.14/15. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films: Quellen und
Perspektiven / Sources and Perspectives. Frankfurt a.M., Basel 2006.

Haller, Andrea: Weibliches Publikum, Programmgestaltung und Rezeptionshaltung im frühen deutschen Kino (1906-1918). Dissertation. 2009. unveröffentlicht.

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen: Festivalkatalog. 56. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen. Oberhausen 2010.

Kessler, Frank; Lenk, Sabine; Loiperdinger, Martin: Editorial. In: KINtop. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films. Bd.1: Früher Film in Deutschland. Frankfurt a.M., Basel 1993, S.7-9.

Müller, Corinna: „Geschlossene Vorstellungen!" Reminiszenz zur Kino-Programmgeschichte.
In: Fischer, Ludwig (Hg.): Programm und Programmatik. Kultur- und medienwissenschaftliche Analysen. Konstanz 2005, S.210-225.

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